Gewaltfreie Kommunikation

Die Gewalfreie Kommunikation (GFK) wurde in den 60er Jahren von Marshall Rosenberg begründet und findet in den letzten Jahren große Verbreitung im deutschsprachigen Raum.

Über die Gewaltfreie Kommunikation

Ziel der GFK ist eine wertschätzende Verbindung zu schaffen, einander zu verstehen, um gemeinsam für etwas zu arbeiten.

Die GFK kann in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen eingesetzt werden, ist ein Universalschlüssel in der mitmenschlichen Kommunikation und trägt dazu bei, dass es eine angenehme Arbeitsatmosphäre gibt, Konflikte im Vorfeld erkannt und besprochen werden können sowie Lösungen gefunden werden, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen.

Die GFK passt zu einem kooperativen, partizipativen Führungsstil und unterstützt Mitarbeiter in ihren intrinsischen Motiviation, in ihrer Selbstverantwortung und fördert die Identifikation mit dem Unternehmen, wenn sie wirklich von den Führungspersonen gelebt wird.

GFK Technik und Beispiel aus dem Betriebsalltag

Die GFK ist wie eine neue Sprache, die eine Grundgrammatik und einen eigenen Wortschatz hat.Die Grundgrammatik ist das Vier-Schritte-Modell sowie die drei Positionen (Selbstklärung, Selbstausdruck und Empathie).

Das Vier-Schritte-Modell setzt sich aus folgenden Punkten zusammen:

1) Wahrnehmung schildern

2) Gefühl benennen

3) Bedürfnis benennen

4) konkrete Bitte äußern


Z.B.

1) "Wenn ich sehe, dass Sie heute um 9.20 Uhr in den Raum gekommen sind,

2) bin ich etwas sauer,

3) weil mir Pünktlichkeit und Verlässlichkeit wichtig sind

4) Wären Sie bereit morgen um 9.00 Uhr zu kommen?"

Das war jetzt die Selbstkundgabe, das Ausdrücken der eigenen Befindlichkeit in einer Ich-Botschaft.


Angenommen der Angesprochene erwidert:

* "Na haben Sie sich doch nicht so, ich habe gestern dafür anderthalb Stunden länger gearbeitet und meine Familie will auch noch was von mir haben!"Dann könnten Sie als Chef versuchen, das Verstandene wiederzugeben und die guten Gründe für das Verhalten des Mitarbeiters sehen (den anderen Schön-Sehen, als Möglichkeit der Wertschätzung = Empathie geben):

1) "Wenn Sie meine Bitte hören,

2) Sind Sie etwas überrascht/ genervt,

3) weil Ihnen Flexibilität und Wertschätzung Ihrer Arbeit wichtig sind

4) und sie würden gerne so etwas wie eine Gleit-Arbeitszeit einführen?"

Das war jetzt eine Du-Botschaft oder der Versuch, die Äusserung des Mitarbeites in GFK zu übersetzen. Es ist ein Angebot an den Mitarbeiten zum gemeinsamen Gespräch mit dem Ziel, die Bedürfnisse aller Beteiligten zu erfüllen.


Wahrscheinlich wird der Mitarbeiten so reagieren:* "Ja genau, immer wird an uns herumkritisiert, aber der ganze Aufwand und die Arbeit werden nicht gesehen. So macht das ja gar keinen Spass mehr hier.

Sie als Chef haben Giraffenohren auf (Giraffe als Symbol für die GFK, weil es die Landsäugetiere mit dem größten Herzen sind, einen guten Überblick haben, ruhig sind und kaum natürliche Feinde haben), sie hören also erstmal nur zu, geben das Geschenk der Empathie (eine seltene Kunst in unser heutigen Zeit):

2) "Sie sind enttäuscht,

3) weil Ihnen Wertschätzung wichtig ist und sie möchten, dass die ganze Mühe gesehen wird, die Sie sich zum Wohlergehen des Unternehmes machen?"


Hier bleiben Sie als Chef bei Schritt 2+3), die sind hier am wichtigsten


* "Ja genau, ich möchte da gesehen werden. Mir liegt viel am Unternehmen, auch wenn ich nur als leicht ersetzbare Arbeitskraft gesehen werde und immer mehr von mir gefordert wird. Aber ich habe auch Familie und möchte nicht mit 50 Jahren einen Herzinfarkt bekommen, wie Sie!"

2) "Sie sind etwas sauer und vorsichtig,

3) weil Ihnen ein Ausgleich von Arbeit und Freizeit wichtig ist und sich gesundheitlich schützen möchten?"


* "Nein nicht nur das! Ich bin ein Mensch und möchte als solcher gesehen werden und nicht als ausbeutbarer Roboter, der nur arbeitet und wenn er nicht mehr gebraucht wird, entsorgt oder durch einen neuen ersetzt wird. So läuft das doch hier. Man traut sich ja kaum noch etwas zu sagen, weil man sonst bei der nächsten Runde entlassen oder neudeutsch outgesourcet wird!"

Ja, jetzt kommt einiges hoch, was sich der Mitarbeiter aus Schutzgründen bisher nicht getraut hat zu sagen.

Es ist eine wunderbare Chance für Sie als Chef, mehr zu verstehen und zu lernen, wie ein gemeinsames Miteinander besser organisiert werden kann. Dabei haben Sie die (giraffische) Zuversicht, dass durch ein solches Zuhören es möglich wird, einander zu verstehen und Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten passen.

Das Wichtigste ist das Bedürfnis, also reicht es, das herauszuschälen und wiederzugeben:

3) "Sie brauchen Vertrauen und Sicherheit? Sie möchten als Mensch gesehen werden und möchten, dass auch ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden, sie möchte das frei äussern können, ohne die Angst zu haben, deshalb Einbußen an ihrem Arbeitsplatz erleiden zu müssen?"...


Nehmen wir mal an, der Mitarbeiter ist nun zufrieden, weil er verstanden wurde, jetzt können Sie sagen, wie es Ihnen damit geht (Selbstkundgabe):

1) "Wenn ich all das höre, was Ihnen wichtig ist: Offene Kommunikation, Menschlichkeit, Flexibilität, Sicherheit im Job,

2) dann bin ich berührt und erleichtert

3) weil mir das auch alles wichtig ist und mir zudem das Wohl des Unternehmens am Herzen liegt, ich möchte, dass es wächst und gedeiht.

4) Wären Sie bereit gemeinsam nach Wegen zu schauen, wie wir alle Bedürfnisse berücksichtigen könnten?"

Jetzt ist - im Idealfall - ein gegenseitiges Verstehen da und es kann nun GEMEINSAM an den Bedürfnissen/ Werten gearbeitet werden.

Dabei könnte so etwas wie Gleitzeit herauskommen, wöchentliche Meetings, wo alle Sorgen/ Unzufriedenheiten besprochen werden könnten...

GFK als Unterstützung, um das Leitbild zu verwirklichen/ um CSR umzusetzen

Wenn die Geschäftsleitung oder ein Abteilungsleiter wirklich daran interessiert sind, die Leitbilder oder Werte eines Unternehmens zu leben, kann die GFK da sehr hilfreich sein.

Wenn es nur darum geht, Gewinne zu machen, koste es was es wolle, dann wirkt die GFK nicht, passt sie nicht in den Zusammenhang.

Seit einigen Jahren gibt solche Unternehmensleitbilder, die unterschiedlich stark verwirklicht werden bzw. oftmals nur auf dem Papier stehen. Daneben gibt es den Ansatz der Corporate Social Responsibility, wo es auch darum geht, die Bedürfnisse aller Beteiligten (Stake-Holders) zu berücksichtigen in dem Glauben/ in der Zuversicht, dass das auch nachhaltig den Unternehmenserfolg sichert.

Meiner Ansicht nach kann das wirklich gelingen, wenn sich diese Form des Miteinanders im Arbeitsalltag etabliert und Nachhaltigkeitsberichte nicht nur Sache der PR-Abteilung sind.

Das ist eine strategische Entscheidung innerhalb des Unternehmens und es gibt leider zur Zeit nur vereinzelte Erfahrungen zur Wirksamkeit der GFK in der Wirtschaft.

Der Kommunikationsansatz ist relativ neu im deutschsprachigen Raum, er wirkt nachhaltig in persönlichen Kontexten und kann meiner Ansicht nach auch in Unternehmen erfolgreich eingesetzt werden, wenn sich ein paar Mutige finden, das auszuprobieren.

weiterführende Literatur

Links



Gewaltfreie Kommunikation
HRM.de - Das Netzwerk für Personalwesen. HR-Pedia - Der Wissenspool für das Human Resource Management. HR-Jobbörse